Anträge

Gegliedertes Schulsystem in Thüringen erhalten

Thüringer Landtag
5. Wahlperiode Drucksache 5/3541
15.11.2011

A n t r a g
der Fraktion der FDP
Gegliedertes Schulsystem in Thüringen erhalten


I. Die Landesregierung wird aufgefordert zu berichten, welche konkreten Planungen zum Ausbau der Gemeinschaftsschule in Thüringen verfolgt werden und dabei insbesondere auf folgende Fragen einzugehen:

1. Welche Bedeutung misst die Landesregierung grundsätzlich dem Erhalt eines gegliederten Schulsystems in Regelschule und Gymnasium bei und wie begründet sie ihre diesbezügliche Auffassung?
2. Inwiefern garantiert das in Regelschule und Gymnasium gegliederte Schulsystem nach Ansicht der Landesregierung die Chancengleichheit im Bildungssystem und wie begründet sie ihre diesbezügliche Auffassung?
3. Wie begründet die Landesregierung den angekündigten Zeitraum von zehn Jahren zur Umgestaltung des Thüringer Schulsystems, nach welchem die Gemeinschaftsschule dann "Mehrheitsschule" sein soll und wie wird der derzeitige Stand der Umsetzung des Vorhabens von der Landesregierung bewertet?
4. Welche konkreten Kriterien werden bei der Auswahl der Regelschulen und Gymnasien angewendet, welche zugunsten des Ausbaus der Gemeinschaftsschule geschlossen werden sollen und wie begründet die Landesregierung ihre diesbezüglichen Festlegungen?
5. Wann werden die grundlegenden Entscheidungen getroffen, welche Gymnasien und Regelschulen zugunsten des Ausbaus der Gemeinschaftsschule zur "Mehrheitsschule" in Thüringen zu schließen sind und wann werden diese der Öffentlichkeit mitgeteilt?
6. Inwiefern werden die Schüler einer zur Schließung vorgesehenen Regelschule oder eines zur Schließung vorgesehenen Gymnasiums auf eine Gemeinschaftsschule oder andere nicht gegliederte Schulform wechseln müssen und wie begründet die Landesregierung ihre diesbezügliche Auffassung?
7. Inwiefern hat der Ausbau der Gemeinschaftsschule zur "Mehrheitsschule" Auswirkungen auf die Lehramtsstudiengänge in Thüringen für
a) die Einteilung in Studiengänge zur Ausbildung von Grundschul-, Regelschul- und Gymnasiallehrern,
b) die Schaffung eines Lehramtsstudiengangs für Gemeinschaftsschullehrer und dessen Anerkennung bzw. Einordnung in anderen Bundesländern,
c) die Anerkennung von Lehramtsabschlüssen aus anderen Bundesländern für die Tätigkeit an Thüringer Gemeinschaftsschulen,
d) den tatsächlichen Bedarf an Absolventen der verschiedenen Lehramtsstudiengänge?
8. Wann wird die Landesregierung in einer Regierungserklärung ihre Planungen zum grundlegenden Umbau des Thüringer Schulsystems und die Abschaffung der gegliederten Beschulung als Regelfall dem Parlament und der Öffentlichkeit vorstellen?

II. Der Landtag lehnt das Vorhaben des Thüringer Ministers für Bildung, Wissenschaft und Kultur ab, die Beschulung im gegliederten Schulsystem als Regelfall aufzugeben und die Gemeinschaftsschule als "Mehrheitsschule" zu etablieren.

Begründung:

Der Thüringer Minister für Bildung, Wissenschaft und Kultur hat am 8. Oktober 2011 angekündigt, die Gemeinschaftsschule als nichtgegliederte Schulform innerhalb von zehn Jahren zur "Mehrheitsschule" auszubauen. Gymnasien und Regelschulen seien ein Auslaufmodell. Allerdings sieht Artikel 24 Abs. 1 der Verfassung des Freistaats Thüringen eine Beschulung im gegliederten Schulsystem als Regelfall vor.

Derzeit erreicht der Freistaat Thüringen mit seinen Regelschulen und Gymnasien im Vergleich der Schulsysteme der Bundesländer einen Spitzenplatz. Der "Bildungsmonitor 2011" bescheinigt dem Freistaat auf einer Datengrundlage von 2009 hervorragende Bildungsbedingungen, die durch einen grundlegenden Umbau des Schulsystems gefährdet werden.

Für den angekündigten überwiegenden Verzicht auf eine Beschulung in Gymnasien und Regelschulen ist auch das System der Lehrerausbildung für die zu erwartenden Bedarfe an Gemeinschaftsschullehrern nicht ausgelegt.

Für die Fraktion:
Hitzing
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