Kleine Anfragen

Zweigleisiger elektrifizierter Ausbau der Mitte-Deutschland-Verbindung (MDV)

Thüringer Landtag
5. Wahlperiode
14.12.2009

K l e i n e A n f r a g e 152
des Abgeordneten Untermann (FDP)
Zweigleisiger elektrifizierter Ausbau der Mitte-Deutschland-Verbindung (MDV)


Im Koalitionsvertrag von CDU und SPD wurde niedergeschrieben, dass der zweigleisige elektrifizierte Ausbau der Mitte-Deutschland-Verbindung beschleunigt und dadurch das Angebot im Schienenpersonennahverkehr erweitert werden soll. Dieses würde auch die Strecke Weimar–Glauchau betreffen. Wie ich jetzt in Erfahrung bringen konnte, wurde die Maßnahme für diese Strecke durch das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung in Frage gestellt. Die Elektrifizierung der Strecke würde sicher nicht das Problem sein, allerdings wäre nach Fertigstellung der ICE-Strecke München–Erfurt–Berlin der Wegfall des zweiten Gleises für die Strecke Weimar–Jena–Glauchau eine enorme Benachteiligung.

Ich frage die Landesregierung:

1. Wie ist der aktuelle Stand für den geplanten zweigleisigen elektrifizierten
Ausbau der Mitte-Deutschland-Verbindung?

2. Wie können die Bedingungen für Reise- und Güterverkehr auf der
Strecke Weimar–Glauchau unter Beachtung der in der Einleitung geschilderten
Probleme kurz-, mittel- und langfristig wesentlich verbessert
werden?

Untermann

Die Antwort der Landesregierung:

Thüringer Landtag
5. Wahlperiode
Drucksache 5/396
26.01.2010

Das Thüringer Ministerium für Bau, Landesentwicklung und Verkehr hat die Kleine Anfrage namens der Landesregierung mit Schreiben vom 25. Januar 2010 wie folgt beantwortet:

Zu 1.:
Der aktuelle Bedarfsplan für die Bundesschienenwege enthält den Ausbau der MDV in zwei Baustufen. Die Einzelprojekte des Bedarfsplans werden gegenwärtig durch den Bund überprüft, um sie im Ergebnis den aktuellen Verkehrserfordernissen anzupassen. Während aus der 1. Baustufe der MDV bis 2012 lediglich noch Restarbeiten anfallen, ist die 2. Baustufe Gegenstand der laufenden Überprüfung. Hier handelt es sich um die Fortsetzung des zweigleisigen Ausbaus und die Elektrifizierung des Streckenabschnitts Weimar–Glauchau.

Im Ergebnis der 1. Baustufe wurden drei Streckenabschnitte (Großschwabhausen–Jena West, Stadtroda–Papiermühle, Hermsdorf-Klosterlausnitz–Kraftsdorf) zweigleisig ausgebaut. Mit den bereits zuvor vorhandenen zweigleisigen Abschnitten sind gegenwärtig 35 des insgesamt 68 Kilometer langen Streckenabschnitts Weimar–Gera zweigleisig ausgebaut. Hierdurch und mit dem Ausbau für Neigetechnik zwischen Weimar und Gößnitz konnte die Qualität dieser Strecke deutlich aufgewertet werden.

In den letzten beiden Jahren wurden zusätzliche Haushaltsmittel des Bundes für die Planung zum weiteren Ausbau der Strecke Weimar–Gera zur Verfügung gestellt. In einer gemeinsamen Absichtserklärung, die im Wesentlichen den zweigleisigen Ausbau von zwei weiteren Abschnitten (Weimar–Großschwabhausen, Neue Schenke–Stadtroda) mit einer Länge von insgesamt 17 Kilometern bis 2015 beinhaltet, haben Deutsche Bahn (DB) AG und Land erklärt, an der abschnittsweisen Realisierung der 2. Baustufe festzuhalten. Hierfür sollen nach Angaben der DB AG 50 Millionen Euro Bundesmittel vorgesehen sein. In diesem Zusammenhang hat das Land angekündigt, sich mit zwei Millionen Euro an den Investitionen zu beteiligen.

Das Ergebnis der Überprüfung des Bedarfsplans ist durch die Bundesregierung für das Frühjahr 2010 in Aussicht gestellt. Deshalb wurde dem Bundesverkehrsminister kürzlich nochmals mitgeteilt, dass neben der zügigen Vollendung des Verkehrsprojekts Deutsche Einheit Nr. 8 der weitere Ausbau der MDV für den Freistaat Thüringen oberste Priorität hat, und der Abschnitt Gera–Weimar mit der durchgehenden Inbetriebnahme der Hochgeschwindigkeitsstrecke noch an Bedeutung gewinnen wird, da diese Verbindung den schnellen Zulauf zum Fernverkehrsknoten Erfurt sichern soll.

Zu 2.:
Ziel der Landesregierung ist es, attraktive Reisemöglichkeiten im Bahnverkehr entlang der Thüringer Städtekette sowie eine schnelle Anbindung Ostthüringens an die ICE-Neubaustrecke zu garantieren.

Einen wichtigen Beitrag wird dabei der weitere zweigleisige Ausbau der MDV leisten. Die weiteren zweigleisigen Abschnitte ermöglichen es der Landesregierung, das Angebot des Schienenpersonennahverkehrs (SPNV) in der Relation Erfurt–Jena–Gera entsprechend der Nachfrage zu erhöhen. Konkret ist vorgesehen, unmittelbar nach Fertigstellung der Zweigleisigkeit, ca. 150 000 Zugkilometer pro Jahr zusätzlich zu bestellen, was etwa sechs weiteren Zugpaaren pro Tag (montags bis freitags) entspricht.

Neben der Verdichtung des SPNV-Angebots gewährleistet der geplante Ausbau eine flexiblere Betriebsführung, um die Anschlussgestaltung in den Knotenbahnhöfen weiter zu optimieren.

Mit dem ebenfalls geplanten Ausbau der Bahnhöfe Jena West und Göschwitz werden sich die Zugangsbedingungen für die Fahrgäste, insbesondere der mobilitätseingeschränkten Reisenden, weiter verbessern.

Auch wenn gegenwärtig kein nennenswertes Güterverkehrsaufkommen im Bereich der MDV zu verzeichnen ist, bieten sowohl die erfolgten, als auch die künftigen Ausbaumaßnahmen günstige Rahmenbedingungen für die Steigerung des Personen- und Güterverkehrs.

Carius
Minister
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