Kleine Anfragen

Ergebnisse und Schlussfolgerungen der Evaluation des Projekts UFaS

Thüringer Landtag
5. Wahlperiode
18.11.2010

K l e i n e A n f r a g e 1056
des Abgeordneten Kemmerich (FDP)
Ergebnisse und Schlussfolgerungen der Evaluation des
Projekts Unternehmer- und Fachkräfteservice (UFaS)


Laut Medienberichten vom 13. Oktober 2010 soll das Projekt Unternehmer- und Fachkräfteservice (UFaS) in seiner jetzigen Form verändert und verlängert werden.
Das Projekt wurde im Januar 2008 gestartet und soll abgewanderte Fachkräfte, Pendler und potentielle Abwanderer auf dem Thüringer Arbeitsmarkt vermitteln. Die Arbeit des Projekts wurde mittlerweile evaluiert.

Ich frage die Landesregierung:

1. Wie lange dauerte die Evaluation der Firma Rambøll Management Consulting GmbH, Hamburg? Wurde die voraussichtliche Prüfungsdauer vorher vereinbart? Falls ja, wurde sie eingehalten? Welcher Zeitraum des Projekts UFaS wurde geprüft? Ist die Evaluation öffentlich zugänglich?

2. Wie viele Fachkräfte, Rückkehrer und Zuwanderer konnten seit 2008 durch das Projekt UFaS konkret vermittelt werden? Wie viele potentielle Abwanderer konnten durch Vermittlung vor der Abwanderung bewahrt werden? Wie werden potentielle Abwanderer ermittelt?

3. Zu welchem Ergebnis kommt die Evaluation des Projekts UFaS?

4. In der Antwort der Landesregierung auf die Kleine Anfrage 535 zum Thema "Unternehmer- und Fachkräfteservice der Landesentwicklungsgesellschaft Thüringen mbH" zu Frage 3 (vgl. Drucksache 5/1110 vom 10. Juni 2010) ergibt sich eine Befristung des Projekts auf den 31. Dezember 2010 mit der Option einer Verlängerung bis Ende 2013. Welche erfüllten Zielsetzungen werden von der Landesregierung als ausreichend angesehen, um die Option der Verlängerung wahrzunehmen bzw. welche Kriterien der Evaluation haben für eine Verlängerung gesprochen?

5. Aus welchen Mitteln und welchen Titeln der Landeshaushalte wird das Projekt für die Jahre 2011, 2012 und 2013 weiterfinanziert bzw. eingeplant?

6. Wer erstellt das neue Konzept des Projekts UFaS, wie lautet und auf welcher Basis beruht es?

7. Wann und durch wen erfolgt eine Evaluation des neuen Konzepts?

8. Tritt das Projekt UFaS in Konkurrenz zu Vermittlungsangeboten der Bundesagentur für Arbeit und ihren regionalen Servicestellen in Thüringen? Falls nein, was sind die innovativen Konzepte dieser Arbeitskräftevermittlung?

9. Was sind laut der Evaluation die innovativen Konzepte des Projekts UFaS, um Fachkräfte und Zuwanderer für Thüringen zu gewinnen und Abwanderer zu halten, die sich als wirksam herausgestellt haben? Werden diese Konzepte auch während und nach Ablauf des Projekts in die Vermittlungsmethoden der Bundesagentur für Arbeit und ihrer regionalen Servicestellen in Thüringen integriert? Falls nein, warum nicht?

10. Auf welcher datenschutzrechtlichen Grundlage werden die Datenbanken über die Zielgruppen erstellt und verwaltet? Was passiert mit diesen Daten nach Ablauf des Projekts?

Kemmerich

Die Antwort der Landesregierung:

Thüringer Landtag
5. Wahlperiode
Drucksache 5/2163
14.01.2011

Das Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Technologie hat die Kleine Anfrage namens der Landesregierung mit Schreiben vom 11. Januar 2011 wie folgt beantwortet:

Zu 1.:
Die Evaluierung des Unternehmer- und Fachkräfteservice durch die Firma Rambøll Management Consulting GmbH dauerte vom 12. Februar 2010 bis zum 12. Mai 2010, der Zeitraum wurde vertragsgemäß eingehalten. Die Evaluierung erfolgte für die Projektlaufzeit vom 1. Oktober 2008 bis zum 28. Februar 2010. Evaluationen dienen dem Zweck, dem Auftraggeber kritische Informationen mit dem Ziel zu geben, Programme und Projekte zu verbessern.

Zu 2.:
Zum Stichtag 7. Dezember 2010 konnten 386 Fachkräfte (Rückkehrer/Zuwanderer/Pendler) vermittelt werden. Unter diesen Fachkräften waren 147 Arbeitnehmer, die aufgrund der Vermittlung von einer Abwanderung absahen. Die Bewerber teilten dies entweder in persönlichen Gesprächen oder über ihre Registrierung beim UFaS mit.

Zu 3.:
Die strategische Ausrichtung und Umsetzung wird überwiegend kritisch bewertet. Es sind vielfältige Anpassungen erforderlich und Neuausrichtungen vorzunehmen. Dies betrifft neben dem Einsatz der Ressourcen und der Steuerung des Projekts auch eine Anpassung des Leistungsportfolios. So wird für bestimmte Leistungen, wie z.B. die Unterstützung bei Behördengängen, das Führen von Bewerbungsgesprächen oder die Unterstützung beim Vertragsabschluss, kein hinreichender Bedarf gesehen.

Zu 4.:
Das Projekt UFaS wird zum 31. März 2011 beendet. Von der Option einer Verlängerung wird kein Gebrauch gemacht.

Zu 5.:
Auf die Antwort zu Frage 4 wird verwiesen. Die Finanzierung der dreimonatigen Laufzeit im Jahr 2011 erfolgt aus den bei Kapitel 07 03 Titel 686 71 veranschlagten ESF-Mitteln, die erforderliche nationale Kofinanzierung erfolgt durch Landesmittel, die bei Kapitel 07 08 Titel 685 75 veranschlagt sind.

Zu 6.:
Ein weiterentwickeltes Konzept zur Sicherung des Fachkräftebedarfs des Freistaats Thüringen wird zurzeit durch die Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) erarbeitet und dem Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Technologie (TMWAT) vorgelegt. Wesentliche Basis sind die mit dem UFaS gewonnenen Erfahrungen und Kenntnisse einschließlich der Ergebnisse der Evaluation. Über die weitere Vorgehensweise wird danach entschieden.

Zu 7.:
Über eine erneute Evaluation wurde noch keine Entscheidung getroffen. Allerdings ist für das neue Konzept von vornherein an die Platzierung einer wissenschaftlichen Begleitung (formative Evaluation) gedacht, so dass Fehlentwicklungen einzelner Aktionen früher erkannt werden und gegengesteuert werden kann.

Zu 8.:
Nein, der Anspruch des auslaufenden Projekts UFaS bestand nicht darin, innerhalb kurzer Zeit hohe Vermittlungszahlen auf dem Arbeitsmarkt zu erreichen. Dazu waren die begrenzten Einflussmöglichkeiten und personellen Ressourcen des Einzelprojekts weder geeignet noch gedacht.
Arbeitsvermittlung ist vorrangige Aufgabe der Arbeitsverwaltung; die konzeptionelle Ausrichtung des UFaS lag vielmehr in der Sensibilisierung von Unternehmen und Arbeitnehmern für das Thema, in der Information und Beratung über zukünftige Entwicklungen und Möglichkeiten in Thüringen, in dem Aufzeigen von Chancen und Perspektiven und in dem Werben für harte und weiche Standortvorteile.

Zu 9.:
Die aktive Ansprache von Rückwanderern, Pendlern und Unternehmen sowie die Kooperation mit Hochschulen in Thüringen und anderen Bundesländern werden zu den Kernelementen des neuen Konzepts gehören.

Auch wird es darum gehen, weitere Beschäftigtenpotentiale zu identifizieren und anzusprechen, die einen Beitrag zur Befriedigung des Fachkräftebedarfs leisten können. Eine direkte Vermittlungstätigkeit von Fachkräften an Unternehmen, die in Konkurrenz zu den Aktivitäten der Bundesagentur für Arbeit stehen, ist jedoch nicht vorgesehen.

Empfohlen wird u. a. eine bessere Ausrichtung auf die regionale Wirtschaftsstruktur, eine stärkere Einbindung kleiner Unternehmen, die Verbesserung der Zusammenarbeit mit der Bundesagentur für Arbeit und den Thüringer Qualifizierungsberatern, aber auch der Ausbau der strategischen Kooperation mit Hochschulen.

Insgesamt wird die Notwendigkeit der Weiterentwicklung und Neuausrichtung der Strategie der Servicestelle deutlich.

Zu 10.:
Personenbezogene Daten werden auf der Basis des § 28 Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) erhoben, verarbeitet und genutzt. Nach Ablauf des Projekts werden die Daten gesperrt oder gelöscht.

In Vertretung
Staschewski
Staatssekretär
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